Sébastien Mettraux

Malerei Druckgrafik

<Kulturpessimisten hätten es am liebsten, wenn Kunst gar keine Handelsware wäre, sondern als etwas angesehen würde, das grundsätzlich unvereinbar mit der Welt der Wirtschaft ist>, sagt uns Wolfgang Ullrich in seinem Büchlein <Siegerkunst>. Wir sagen es umgekehrt, lieber Herr Ullrich, Wirtschaft hat nichts mit Kunst zu tun. Dominatoren jeder Art haben insbesondere die plastische Kunst seit jeher für ihre Zwecke usurpiert. Heute tut dies die “Hoch”-Finanz. In putziger Sprache beschreibt Herr Ullrich das obszöne Spektakel, in welchem sich die Gross-BesitzerInnen in protzigem Gehabe mit ihrem einzigen Lieblingsgebiet beschäftigen: Geld. Über die Kunst sagt das nicht viel, ausser natürlich, dass es auch in dieser Domäne begabte Opportunisten gibt. Als Illustration mag die Installation dienen, welche Olafur Eliasson 2016 für Versailles hervorbrachte, und die website, welche diese dokumentiert (die mit einer Hyundai-Reklame beginnt), www.olafureliasson.net. Es ist Design und Kommunikation, beide als an den Publikumsgeschmack adaptiertes, entsprechend zurechtgebogenes Narrativ verstanden.

 

Warum schreibe ich diese Zeilen als Einleitung zur Vorstellung eines Künstlers ? Sébastien Mettraux verharrt in seinem heimatlichen Vallorbe, mit Atelier und Wohnung in der monumentalen, seit der vorletzten Jahrhundertwende hoffnungslos überdimensionierten Bahnstation des abgelegenen Grenzortes. Dennoch ist sein Weltbezug solid, hat er doch in acht Jahren in Lausanne und Genf drei Hochschulstudien im Bereich von Kunst und Pädagogik abgeschlossen und ist heute Hochschulprofessor. Sein Werk als Künstler wurde mit den höchsten Preisen bewertet (swiss art award 2009). Zur Zeit ist er während eines Jahres Stipendiat der Fondation Leenaards. Diese ermöglicht dem Künstler, eine Serie von 20 bis 25 grossformatigen Werken über die Formen industrieller Einrichtungen in seiner Region zu schaffen. Mettraux stammt aus der Gegend. Er war Werkstudent, auch in der heimischen Industrie. Warum  geht ein hochbegabter, hochqualifizierter junger Künstler sehenden Auges einen solchen Weg ? Er tat dies schon in der Zeit als Student der ECAL (Ecole cantonale d'art Lausanne), wo ihm die Anhänger von <Néo-Géo> das figurative Malen verbieten wollten. Das war eine Form von Zensur, mit dem Grundanliegen des öffentlichen Bildungswesens und unserer Verfassung unvereinbar. Mettraux dagegen wollte figurativ malen. Ihn interessierten die Renaissancetechniken, Zentralperspektive, Chiaroscuro, Modulierung und Farben. Seine Professoren sagten ihren Studenten, auch der bildende Künstler sei jetzt ein Orchesterdirigent, der nichts selber mache. Mettraux hingegen wollte seine Bilder selber erfinden, und selber ausführen. Er ist kein scotch-Artist, der die geraden Linien mit Scotch-Klebeband vorgibt. Er wollte sie von Hand malen. Und die Professorenschaften erklärten die Malerei für tot. Ihn interessierte auch der Bezug der Realität zum Virtuellen, zur Digitalisierung. Im ersten Moment, wo er sich einen leistungsfähigen Computer erstehen konnte, wandte er sich der virtuellen Dreidimensionalität zu. Nach Themen geordnet, begann er Serien von Objekten digital in 3D zu konfigurieren, und diese Strukturen hernach zu malen, zu skulpturieren und zu gravieren. Es sind Serien über Ruinen von militärischen Übungsanlagen entstanden (plein air vor Ort gemalt !), als <visions du paradis> bezeichnete Virtualisierungen von real existierenden Luxusbauten um den Genfersee, mit Bezügen zu den klassischen Malern dieser Landschaft (Hodler und Valloton), und letztlich Bilder von Maschinen und Infrastrukturen der heimischen Industrie.

 

Bestimmt handelt es sich nicht um <Siegerkunst> im eingangs erwähnten Sinne. Aber es handelt sich um Kunst eines grossen Künstlers, der sich seinen eigenen, authentischen Weg zu einer zeitgemässen Praxis der figurativen Malerei gebaut hat: Ein Triumph der plastischen Kunst in unserer Zeit, und ein Triumph über die Siegerkunst !

 

(Beat Selz, Juli 2016)

 

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