Urs Stooss

Wir freuen uns sehr, erstmals Werke des Berner Künstlers Urs Stooss in der Galerie da Mihi in einer Einzelausstellung zu zeigen. Seien Sie herzlich zur Vernissage eingeladen: Freitag, 19. August, 17.00 - 20.00 Uhr.

Die Faszination seiner Gemälde beruht auf einem ebenso schlichten wie genialen bildkompositorischen Aufbau: Auf grossen und monochromen Leinwänden arrangiert Urs Stooss Menschen, mal in Gruppen, mal verzeinzelt, aber immer aus der Vogelperspektive betrachtet. Er reduziert und er entindividualisiert sie, eingefroren in ihren Bewegungen auf edlem Gold-, Silber- oder Perlmuttgrund.

Sein Werk steht in der Tradition des Flâneurs, allerdings mit einer deutlich veränderten Perspektive. Verstand sich Charles Baudelaire in seiner Poesie als Botaniker des Boulevards, so wählt Urs Stooss den Blick von oben, enthebt seine Motive ihrer Umgebung und taucht sie in eine neue, malerische Realität. Ist die Faszination für Stooss Bilder nun ein neuer Voyeurismus, den wir flanierend vor seinen Bildern entdecken können?

Der Künstler hat Menschen bei seinen weltweiten Streifzügen mit der Kamera fotografiert. Er hat sie von oben aufgenommen, er hat sie von der Seite aufgenommen, hat ihre persönlichen Merkmale wegretuschiert, sie auf ihre Körperhaltung und ihre Bewegung reduziert. Die Figuren erscheinen leicht verschwommen, die lasierend aufgetragene Farbe ihrer Kleidung lässt lediglich Rückschlüsse auf Geschlecht oder Alter zu. Nur zu erahnen sind noch Jahreszeiten oder geografische Verortungen der Szenerie.

Urs Stooss nimmt die malerischen Mittel, die ihm zur Verfügung stehen, sehr ernst. Beeindruckend ist die Behandlung der Schattenwürfe der Figuren und Gegenstände, die eine wichtige Rolle in der Bildkomposition spielen und eine effektvolle Tiefenwirkung erzielen. Zu den klassischen Mitteln der Malerei zählt auch der Bildgrund und hier zeigt sich die Meisterschaft von Urs Stooss. Seine monochromen Leinwände negieren einen Raum ausserhalb des Bildes, keine Rückschlüsse auf Orte, Architektur oder Landschaften sind möglich. Der Maler kreiert einen anonymen Raum, dessen Dimensionen nicht fassbar sind. Die Menschen in den Bildern von Urs Stooss sind Fremde und sie bleiben fremd. Der Künstler ist mit seiner Kamera weltweit auf Motivsuche. Er fotografiert nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Gebäude, Boote und retuschiert ihre persönlichen Merkmale weg.

Die Figuren und Motive in Urs Stooss Bildern basieren auf seinen fotografischen Vorlagen, die in einem komplexen, mehrstufigen Herstellungsverfahren entstehen, wobei die einzelnen Sujets zuerst am Computer bearbeitet werden. Stooss kreiert «Handlung» indem er z. B. einzelne Figuren miteinander in Beziehung setzt und dadurch eine dadurch bildliche Realität konstruiert.

Urs Stooss wurde 1943 in Bern geboren und liess sich in Genf zum Innenarchitekten ausbilden. Seit 1970 ist er als freischaffender Künstler tätig. Seine Werke sind regelmässig in Ausstellungen zu sehen und in bedeutenden öffentlichen Sammlungen vertreten. Stooss wurde 1972 mit dem Aeschlimann Corti-Stipendium der Stadt Bern und 1971, 1973 und 1976 mit dem Eidgenössischen Kunststipendium ausgezeichnet.

Ausschnitte aus Text von Eva Bigler

Galerie da Mihi | KunstKeller

Gerechtigkeitsgasse 40
3011 Bern

Galerie da Mihi

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