Violons Barbares

Das Trio Violons Barbares geleitet in ein überraschendes, überwältigendes Reich, führt ehemals getrennte Traditionen zu einer quasi archaischen Moderne zusammen.

Der Klang von Streichinstrumenten kann - befreit vom Umfeld eines zähmenden, großen Orchesters - an die urtümlichsten Schichten menschlichen Musikerlebens rühren. Nur drei Musiker braucht es, um hierfür den Beweis anzutreten. Das Trio Violons Barbares geleitet in ein überraschendes, überwältigendes Reich, führt ehemals getrennte Traditio-nen zu einer quasi archaischen Moderne zusammen. 

Zunächst einmal ist da die mongolische Pferdegeige Morin Khuur von Enkhjargal Dandarvaanchig: Der weltgewandte, vielseitige Musiker aus Ulan Bator wurde in unseren Breiten vor allem bekannt durch Rüdiger Oppermanns Klangwelten-Festivals, auf denen er von beseeltem Obertongesang bis zu seinem selbstkreierten mongolischem Rap eine grandiose Ausdrucksspannbreite auf die Bühnenbretter legte und legt. Mit dem Perkussio-nisten Christian Auer gewann er, den alle nur freundschaftlich "Epi" nennen, 2009 den Creole-Weltmusikpreis Baden-Württemberg. Seine tief empfundene Kunst im feingewo-benen Klang des mongolischen Nationalinstruments trifft hier nun auf Dimitar Gougovs bulgarische Spießgeige Gadulka. Gougov stammt aus der Schule von Phlip Koutev, jenem legendären Arrangeur für die weltbekannten bulgarischen Frauenstimmen, und er ist ein Meister auf diesem so schwierig zu spielenden Streichinstrument mit dem klagenden, obertonreichen Sound. 
Der stiebende Funkenflug und der vorwärtspreschende Galopp der Bögen zwischen zent-ralasiatischer Steppe und Balkan wird durch das reiche, nordafrikanisch und orientalisch geprägte Schlagwerkarsenal in den Händen des Perkussionisten Fabien Guyot voran ge-trieben. Guyot mischt mit seiner Trommelkunst auch in der renommierten Orientaljazz-Formation L'Hijâz Car mit, er ist der versierte rhythmische Koordinator der Formation. Eine überraschende Rolle spielt bei den Violons Barbares die menschliche Stimme: Enkh-jargal wechselt von dröhnendem Kelhkopfgesang und Steppen-Hiphop zu glasig-feinen, wispernden Melodielinien, Gougov kann mit stolzem Tenor markerschütternde und ma-jestätische Haltetöne kreieren. 

Die ungestüme, feurige und ungezügelte Musik dieses ungewöhnlichen Dreiers begeistert, da sie an archaische Schichten unseres Bewusstseins appelliert, zugleich aber eine fanta-sievolle Schöpfung der Neuzeit ist. Denn die Migrationsbewegungen des 21. Jahrhunderts haben diese drei Meister ihres Fachs durch Zufall in der deutsch-französisischen Grenzre-gion zusammengeführt, wo sie nun ein grandioses Knüpfwerk über Tausende von Kilome-tern hinweg weben können.
Line-up:
Enkhjargal Dandarvaanchig Morin Khoor, Unter-und Oberton Gesang
Dimitar Gougov, Gadulka, Gesang
Fabien Guyot, Percussion, Gesang

Le Singe

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2502 Biel

KartellCulturel

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